Was eine PA-Anlage anders macht
Karaoke-Maschinen und Partyboxen sind Alleskönner in einem Gehäuse: Lautsprecher, Verstärker, Bluetooth und ein oder zwei Mikrofoneingänge. Sie sind auf Musik abgestimmt, oft mit kräftigem Bass, und stehen an einem Punkt im Raum. Für den Abend im Wohnzimmer ist das genau richtig.
Eine PA-Anlage ist für die Beschallung von Menschenmengen gebaut, mit Sprache und Gesang im Mittelpunkt. Den Unterschied machen vier Dinge:
- Kanäle. Ein Mischpult regelt jedes Mikrofon und jede Musikquelle einzeln, mit eigener Lautstärke und oft eigenem Klangregler. So bleibt die leise Sängerin genauso verständlich wie der laute Sänger.
- XLR-Eingänge. Profi-Mikrofone werden über XLR angeschlossen. Die symmetrische Übertragung hält auch lange Kabel frei von Brummen, das Mikrofon kann also weit vom Mischpult entfernt sein.
- Klang für Stimmen. PA-Lautsprecher geben Stimmen klar wieder, auch in großen Räumen. Im Vordergrund steht Verständlichkeit, nicht wummernder Bass.
- Aufstellung. Zwei Lautsprecher links und rechts, idealerweise auf Stativen über Kopfhöhe, verteilen den Klang gleichmäßiger als eine Box auf dem Boden. Die Sänger stehen dabei hinter den Lautsprechern statt davor.
Wann du eine PA-Anlage brauchst
Die Grenze ist fließend. Eine gute Faustregel: Sobald hinten im Raum niemand mehr versteht, was vorne gesungen wird, stößt eine Karaoke-Box an ihre Grenzen. Typische Anlässe sind:
- Vereinsfeste, Jubiläen und Feiern im Gemeindesaal mit vielen Gästen
- Hochzeiten, bei denen neben Karaoke auch Reden und Ansagen verständlich sein sollen
- kleine Bühnen, offene Singabende und Auftritte mit Gitarre oder Keyboard
- Feiern im Freien auf großen Flächen, wo keine Wand den Schall zurückwirft
Draußen brauchst du mehr Reserven als drinnen, weil sich der Schall ungehindert verteilt. Plane außerdem den Strom ein: Viele kompakte PA-Anlagen laufen nur am Netz, im Garten also mit einer Kabeltrommel für draußen.
Beispiel: die Behringer Europort PPA200
Wie eine kompakte PA-Anlage aussieht, zeigt die Behringer Europort PPA200. Sie besteht aus einem Powermixer, also Mischpult und Verstärker in einem Gerät, und zwei abnehmbaren Lautsprechern, die zusammen einen tragbaren Koffer bilden. Laut Behringer liefert sie maximal 2 × 100 Watt. Jeder Lautsprecher hat einen 4-Zoll-Tieftöner und einen 1-Zoll-Hochtöner.
Für Karaoke wichtig: Das Mischpult hat fünf Kanäle mit zwei XLR-Eingängen für Mikrofone, dazu Eingänge für Instrumente und einen Zuspieler wie Handy oder Laptop. Ein dynamisches Mikrofon mit Kabel liegt bei. Ein Equalizer mit sieben Bändern und Effekte wie Hall sind eingebaut. Die Rückkopplungserkennung zeigt per Leuchte am Equalizer, welches Frequenzband du absenken solltest, sobald es pfeift. Funkmikrofone von Behringer lassen sich über einen separat erhältlichen Empfänger nachrüsten.
Die PPA200 wiegt laut Hersteller 12 Kilogramm und läuft am Stromnetz. Einen Akku hat sie nicht.
Mikrofone: dynamisch, per Kabel oder Funk
Auf Bühnen haben sich dynamische Gesangsmikrofone mit Nierencharakteristik durchgesetzt. Sie sind robust, brauchen keine Phantomspeisung und nehmen vor allem von vorn auf. Was von der Seite oder von hinten kommt, etwa der Ton aus den Lautsprechern, blenden sie weitgehend aus. Das senkt die Gefahr von Rückkopplungen.
Kabelmikrofone sind die sichere Wahl: kein Akku, keine Funkstörung, keine Verzögerung. Für Karaoke, bei dem das Mikrofon durch die Runde wandert, sind Funkmikrofone bequemer. Achte auf UHF oder digitalen 2,4-GHz-Funk. Bluetooth-Mikrofone sind wegen ihrer Verzögerung für Gesang ungeeignet. Funksets zum Nachrüsten findest du unter Mikrofone.
Rückkopplung vermeiden
Das schrille Pfeifen entsteht, wenn ein Mikrofon den Ton aus den Lautsprechern wieder aufnimmt und die Anlage ihn erneut verstärkt. Mit diesen Regeln bekommst du es in den Griff:
- Lautsprecher vor die Sänger. Stell die Boxen zwischen Sänger und Publikum und richte sie aufs Publikum. So stehen die Mikrofone hinter oder seitlich der Lautsprecher.
- Mikrofon nie auf eine Box richten. Das gilt beim Singen genauso wie beim Weiterreichen und beim Ablegen.
- Nah ans Mikrofon. Wer dicht am Mikrofon singt, kommt mit weniger Verstärkung aus, und weniger Verstärkung heißt weniger Pfeifen.
- Hall sparsam einsetzen. Viel Effekt schmeichelt der Stimme, macht Rückkopplungen aber wahrscheinlicher.
- Equalizer nutzen. Pfeift es immer in derselben Tonlage, senke genau dieses Frequenzband ab.
Aufbau in der Praxis
- Stative nutzen. Lautsprecher auf Stativen strahlen über die Köpfe hinweg, so hören auch die hinteren Reihen mit.
- Kabel sichern. Verlege Kabel am Rand und klebe sie am Boden fest, damit niemand stolpert.
- Soundcheck vor den Gästen. Sprich und sing vor Beginn in jedes Mikrofon, stell die Pegel ein und geh mit dem Mikrofon einmal durch den Raum. Pfeift es irgendwo, weißt du, wo später niemand stehen sollte.
- Mischpult in Reichweite. Wer moderiert, sollte die Regler erreichen, ohne vor die Lautsprecher zu treten.
Mieten statt kaufen
Für eine einzelne Feier lohnt sich oft das Mieten. Verleiher stellen Anlage, Mikrofone, Stative und Kabel passend zur Gästezahl zusammen. Wer mehrmals im Jahr feiert oder regelmäßig im Verein singt, sollte den Kauf durchrechnen. Eine Entscheidungshilfe gibt der Ratgeber Karaoke-Anlage mieten oder kaufen.
Kleiner reicht auch
Nicht jede Feier braucht eine PA-Anlage. Für Gartenpartys und Geburtstage im Freundeskreis sind Partyboxen mit Mikrofoneingang oft die einfachere Lösung: ein Gerät, meist mit Akku, schnell aufgebaut. Ideen für den Ablauf deiner Feier findest du in der Themenwelt Karaoke-Party.